Unter dem Mikroskop: Hantavirus

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Illustration of enveloped hantavirus particles showing the spherical viral structure against a blue background.

Hantaviren sind seltene, jedoch potenziell schwerwiegende zoonotische Erreger, die schwere respiratorische oder renale Krankheitsverläufe auslösen können. Obwohl Infektionen insgesamt selten sind, haben aktuelle Berichte über einen Ausbruch im Zusammenhang mit einem Kreuzfahrtschiff, der mit dem Andes-Virus in Verbindung steht, das Interesse von Gesundheitsbehörden und Fachkreisen erneut verstärkt.

Hantaviren sind eine Gruppe von behüllten RNA‑Viren aus der Familie der Hantaviridae. Es handelt sich um zoonotische Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können und weltweit als Ursache schwerer Erkrankungen der Atemwege und der Nieren gelten.

Infektionen mit Hantaviren sind weltweit vergleichsweise selten, können jedoch schwer verlaufen. Unterschiedliche Hantavirus-Arten sind mit jeweils spezifischen Krankheitsbildern verbunden.

Wussten Sie schon?

Nach Schätzungen der WHO kommt es jährlich weltweit zu 10.000 bis über 100.000 Hantavirus-Infektionen, mit den höchsten Fallzahlen in Asien und Europa.

Hantaviren werden natürlicherweise von Nagetieren getragen, die als Hauptreservoir dienen. Das Virus wird über Urin, Kot und Speichel der Tiere ausgeschieden.

Eine Ansteckung des Menschen erfolgt meist, wenn:

  • Oberflächen oder Gegenstände berührt werden, die mit Ausscheidungen von Nagetieren kontaminiert sind, und anschließend Mund, Nase oder Augen berührt werden
  • Staub eingeatmet wird, der mit Urin oder Kot infizierter Nagetiere belastet ist
  • geschlossene oder schlecht belüftete Räume betreten werden, in denen sich Nagetiere aufhalten

Wussten Sie schon?
Bereiche wie Hütten, Lagerräume, Technikräume, Bereiche zur Lebensmittelverarbeitung und selten genutzte Räume stellen ein erhöhtes Risiko
dar, wenn dort Nagetierbefall vorliegt.

Frühe Symptome einer Hantavirus-Infektion sind oft unspezifisch und können folgende Anzeichen umfassen:

  • Fieber, Müdigkeit und Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen

In schwereren Fällen kann sich die Infektion weiterentwickeln zu:

  • Hantavirus-pulmonales Syndrom (HPS), mit rasch einsetzenden Atembeschwerden bis hin zum Atemversagen
  • Hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), das mit Nierenfunktionsstörungen und Blutungskomplikationen einhergeht

Bei Verdacht auf eine Infektion ist eine zeitnahe medizinische Abklärung entscheidend.

  • Einatmen von Aerosolen, die mit Urin, Kot oder Speichel von Nagetieren kontaminiert sind
  • Direkter Kontakt mit kontaminierten Materialien, gefolgt vom Berühren von Mund, Nase oder Augen

Im Gegensatz zu vielen anderen Atemwegsviren ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei den meisten Hantavirus-Arten äußerst selten.

Hantaviren gelten nicht als typische nosokomiale Infektion, da:

  • die Übertragung in der Regel über die Umwelt erfolgt und nicht von Patient zu Patient
  • der Kontakt mit Nagetieren den wichtigsten Risikofaktor darstellt
  • eine anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch in Gesundheitseinrichtungen bislang nicht beobachtet wurde

Ausbrüche sind selten und stehen, wenn sie auftreten, meist im Zusammenhang mit spezifischen Umweltfaktoren und nicht mit Mängeln in der Infektionsprävention im klinischen Umfeld.

Gesundheitsbehörden zufolge steht der Ausbruch im Umfeld eines Kreuzfahrtschiffs im Zusammenhang mit dem Andes-Virus, einer Virusvariante aus der Familie Hantaviridae.

Das Andes-Virus ist aus folgenden Gründen besonders relevant:

  • Es handelt sich, wie andere Vertreter der Familie Hantaviridae, um ein behülltes Hantavirus
  • Es wird mit dem Hantavirus‑pulmonalen Syndrom (HPS) in Verbindung gebracht
  • Im Gegensatz zu den meisten Hantaviren wurden in seltenen Fällen begrenzte Übertragungen von Mensch zu Mensch dokumentiert, in der Regel bei längerem engen Kontakt und vor allem in frühen Krankheitsphasen
  • Die Inkubationszeit ist vergleichsweise lang und kann bis zu etwa 18 Tage betragen

Wussten Sie schon?
Auch beim Andes-Virus bleibt die Exposition gegenüber Ausscheidungen von Nagetieren der wichtigste Übertragungsweg, während eine Übertragung von Mensch zu Mensch selten ist. Aus Sicht der Infektionsprävention und -kontrolle verändert diese Virusvariante die grundlegenden Prinzipien nicht, unterstreicht jedoch die Bedeutung von Hygiene in der Umgebung sowie eines frühzeitigen Risikomanagements, insbesondere in gemeinsam genutzten oder geschlossenen Räumen.

Hantaviren stellen aus mehreren Gründen ein relevantes Risiko für die öffentliche Gesundheit dar:

  • Schwere Krankheitsverläufe können sich rasch entwickeln
  • Unspezifische Frühsymptome können die Diagnosestellung verzögern
  • Nagetier-Reservoire sind weit verbreitet und nur schwer zu kontrollieren
  • Exposition kann im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz sowie in Reise- und Gastgewerbe-Umgebungen erfolgen

Wussten Sie schon?
Ausbrüche sind selten, machen jedoch deutlich, wie wichtig gezielte Maßnahmen zur Risikoreduktion in der Umgebung sowie konsequente Hygienepraktiken sind.

Zentrale Präventionsmaßnahmen, die von Gesundheitsbehörden empfohlen werden, umfassen:

  • Effektive Maßnahmen zur Bekämpfung und Fernhaltung von Nagetieren
  • Verzicht auf trockenes Kehren oder Staubsaugen in Bereichen, die mit Nagetierkot oder -urin kontaminiert sein könnten
  • Einsatz feuchter Reinigungs- und Desinfektionsmethoden, um die Bildung von Aerosolen zu minimieren
  • Tragen geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) bei der Reinigung potenziell kontaminierter Bereiche

Reinigung und Desinfektion von Räumlichkeiten tragen wesentlich dazu bei, das Risiko einer indirekten Exposition zu reduzieren.

Als behüllte Viren gehören Hantaviren – einschließlich des Andes-Virus – zu den weniger widerstandsfähigen Viren gegenüber Desinfektionsmaßnahmen.

Desinfektionsmittel mit nachgewiesener viruzider Wirksamkeit sind bei Anwendung gemäß validierten Standards und Einwirkzeiten voraussichtlich wirksam gegen Hantaviren. Zu den relevanten Normen zählt unter anderem die EN 14476.

Breit wirksame Desinfektionsmittel, wie beispielsweise Produkte auf Basis von Chlordioxid, bieten Schutz gegenüber einem breiten Spektrum an Erregern – nicht nur Viren, sondern auch Bakterien, Mykobakterien, Pilzen und bakteriellen Sporen.

Wussten Sie schon?
Der Einsatz eines breit wirksamen Desinfektionsmittels trägt dazu bei, eine effektive Infektionsprävention und -kontrolle in Räumlichkeiten sicherzustellen, in denen mehrere mikrobielle Risiken gleichzeitig auftreten können.

Leitlinien zur Desinfektion während Ausbrüchen beziehen sich häufig auf chlorbasierte Produkte und Konzentrationsangaben in parts per million (ppm), beispielsweise 1.000 ppm oder 10.000 ppm. Die Konzentration allein entscheidet jedoch nicht darüber, ob ein Desinfektionsmittel wirksam ist.

Die EN 14885 beschreibt die Normen, die in Europa zur Bewertung der bioziden Wirksamkeit von chemischen Desinfektionsmitteln und Antiseptika herangezogen werden. Sie bietet einen Rahmen zur Beurteilung der Desinfektionsleistung und ermöglicht es Herstellern, Anwendern und zuständigen Behörden, Produktangaben auf Basis standardisierter und reproduzierbarer Wirksamkeitsprüfungen zu bewerten.

Die Wirksamkeitsprüfung nach EN 14885 berücksichtigt verschiedene Faktoren, die die Leistung von Desinfektionsmitteln beeinflussen, darunter die Konzentration des Wirkstoffs, die Einwirkzeit, die Oberflächenbeschaffenheit sowie das Vorhandensein organischer Belastungen. Da Desinfektionsmittel unterschiedliche Wirkstoffe enthalten und verschiedenen Wirkmechanismen folgen, lassen sich ppm-Empfehlungen nicht pauschal auf alle Produktarten übertragen.

Wussten Sie schon? 
Empfehlungen wie „1.000 ppm“ oder „10.000 ppm“ lassen sich nicht allgemeingültig auf alle Desinfektionsmittel übertragen. Die tatsächliche Wirksamkeit hängt vom Wirkstoff, seinem Wirkmechanismus und der Art der Prüfung ab, weshalb validierte EN-Daten eine zentrale Rolle spielen.


Quellen:


Public Health England (2008). Hantaviruses. [online] GOV.UK. Available at: https://www.gov.uk/guidance/hantaviruses.

UK Health Security Agency (2026). What Is hantavirus? How Is It Transmitted and What Are the symptoms? – UK Health Security Agency. [online] Blog.gov.uk. Available at: https://ukhsa.blog.gov.uk/2026/05/05/what-is-hantavirus-how-is-it-transmitted-and-what-are-the-symptoms/.

WHO (2026). Detail – Hantavirus. [online] Who.int. Available at: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hantavirus.Clinic, C. (2019).

CDC (2024). About hantavirus. [online] Hantavirus. Available at: https://www.cdc.gov/hantavirus/about/index.html.

England, N. (2026). NHS England» Infection prevention and control measures for asymptomatic contacts, clinically suspected, and confirmed cases of Andes virus (hantavirus) in healthcare settings. [online] England.nhs.uk. Available at: https://www.england.nhs.uk/long-read/ipc-measures-asymptomatic-contacts-cases-hantavirus-healthcare-settings/.

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